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6 Februar 2010
Die Mapurbes: Rühr meinen Mapuche nicht an.

Video Reportage Link.

In Chile haben Indio-Aktivisten mit Unterstützung durch Bands aus der Punk-, Rap- und Metal-Szene den Kampf für die Rechte der indigenen Bevölkerung aufgenommen. Eine Revolte mit musikalischen Mitteln.

Von Santiago de Chile bis zu den Kordilleren nutzen die Mapurbe die Musik als Form des Widerstands und folgen damit einer Tradition ihrer Vorfahren, der Mapuche.

Die von den spanischen Eroberern „Araukanien“ genannten Wälder der chilenisch argentinischen Grenzregion waren jahrhundertelang im Besitz der Mapuche, der „Menschen der Erde“, wie sie sich in ihrer Stammessprache Mapudungun selbst nennen.

Ihres angestammten Landes beraubt, lebt die Mehrheit der ca. 600.000 Mapuche Chiles heute in den Städten.

Sie nennen sich Mapurbe – Stadtindianer.

Lange galt ihnen die Verachtung ihrer noch in ländlichen Gemeinschaften lebenden Stammesgenossen, mittlerweile sind sie die Speerspitze im Kampf für die Rechte der indigenen Mapuche. Zu ihnen gehört auch Filutraro Paillafilu. Seinen spanischen Vornamen Pablo hat er längst abgelegt.

In der Hauptstadt Santiago de Chile hat er die Hip-Hop-Gruppe „Wechekeche" gegründet, was in seiner Sprache so viel heißt wie „Jugend-Gang“. Weil er überzeugt ist, mit Musik den Widerstand der Mapuche unterstützen zu können.

Wechekeche, die sich von der US-Band Public Enemy inspirieren lassen, stellen ihre Rap-Musik in den Dienst des Kampfes der Mapuche um ihre Rechte. Davon erzählt auch ihr Song über Edmundo Alex Lemun Saavedra, einen 17jährigen, der als „Märtyrer“ für ihre Sache 2002 ums Leben kam.

Die Gruppe hat inzwischen drei selbstproduzierte Alben veröffentlicht und besteht aus rund fünfzehn Mitgliedern.

Untereinander sprechen sie die Sprache der Mapuche, die Texte ihrer Rap-Songs verfassen sie dagegen in Spanisch, damit ihre Botschaft auch bei den Chilenen ankommt.

Die Mapuche stellen heute nur noch 5% der chilenischen Bevölkerung. Die Minderheit hat nicht einmal einen eigenen Abgeordneten im Parlament. Ihr Volk und ihre Kultur stehen vor dem Untergang.

Über viele Jahrhunderte waren die Mapuche Herrscher über die ausgedehnten Wälder auf beiden Seiten der Gebirgskette der Andenkordilleren. Den Armeen der Inkafürsten boten sie die Stirn, und auch dem Ansturm der Konquistadoren hielten sie drei Jahrhunderte lang stand. Sie zwangen sogar die spanischen Eroberer, ihnen vertraglich ein eigenes Territorium zuzusichern – Wallmapu, ein Gebiet größer als Portugal.

Doch nach einem zwanzig Jahre andauernden Konflikt mit zehntausenden Toten auf Seiten der Indianer haben die Mapuche inzwischen 90 % ihres Stammesgebietes verloren. Heute bleiben ihnen nur noch ein paar spärliche Reservate.

Die beiden größten chilenischen Holzkonzerne besitzen heute mehr Ländereien als alle Mapuche zusammen.Die Indios reagieren darauf mit immer häufigeren Attacken auf die LKW-Konvois, die das Holz abtransportieren. Der Wald der Araukaner ist zum Schlachtfeld geworden.

Eine Reportage von Mathieu Orcel.