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3. Oktober 2014
Zwischen Tradition und Widerstand
Mapuche aus Chile berichten von Leben und Kampf in ihren Reservaten.
Manuel Chocori und José Catrilao, zwei traditionelle Autoritäten des indigenen Volkes der Mapuche (Chile) sind auf Einladung der Regionalgruppe Köln der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) im Oktober 2014 auf Rundreise in Deutschland.

Die beiden gewählten Vertreter ihrer indigenen Gemeinden im Süden Chiles wollen auf die Lage der Mapuche aufmerksam machen. Die Mapuche schauen auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück. Als einziges indigenes Volk Südamerikas unterwarfen sie sich nie der spanischen Kolonialmacht und lebten bis Ende des 19. Jahrhunderts unabhängig in ihrem eigenen Territorium. Heute leiden die Mapuche unter Diskriminierung, Armut und Landknappheit, dazu kommen Menschenrechtsverletzungen und staatliche Verfolgung.
Chocori und Catrilao haben Erfahrung mit staatlicher Repression und waren an Aktionen des Widerstands beteiligt. In ihrem Vortrag zeigen sie Fotos und berichten aus erster Hand nicht nur über Tradition und Kultur, sondern auch über Landbesetzungen, Polizeigewalt und ihre politischen Forderungen. "Wir suchen in Deutschland Unterstützung für die Anliegen der Mapuche", sagt Alina Rodenkirchen, Mapuche-Koordinatorin der GfbV.

Während der vierwöchigen Rundreise ist auch ein Besuch des europäischen Parlaments in Brüssel geplant, wo Chocori und Catrilao für die Anliegen ihres Volkes werben. Vom 23. bis 26. Oktober sind sie in Köln Ehrengäste der Konferenz BuenVivir und KümeMongen – was können wir vom „Guten Leben“ der Indigenen lernen?

Auswahl der Vorträge.

05. Oktober Düsseldorf:
16 Uhr, Umweltzentrum,
Merowingerstraße 88

07. Oktober Bonn:
18.30 Uhr, Café La Victoria,
Bornheimerstr 57, 53119 Bonn

08. Oktober Bielefeld:
19:30 Uhr, Welthaus,
1. Stock „Weltraum“

09. Oktober Wuppertal:
19.30 Uhr, Alte Feuerwache,
Gathe 6, Dachzimmer

10.-12. Oktober Amsterdam/ Niederlande: Overtoom 301

13./14. Oktober Brüssel/ Belgien

15. Oktober Frankfurt

17. Oktober Berlin:
19:30 Uhr, Werkstatt der Kulturen,
Saal 4, Kreuzberg

20. Oktober Leipzig:
19:30 Uhr, Institut für Ethnologie,
Schillerstraße 6, Raum S 102

21. Oktober Göttingen

22. Oktober Aachen:
19 Uhr, Welthaus Aachen,
Aula, An der Schanz 1

23.-26. Oktober Köln: Academia Mapuche, Kapellenstrasse 9a

Nach jedem Vortrag gibt es die Gelegenheit zu Austausch und Diskussion.
Der Eintritt ist frei.

Hintergrund:
Chile gilt gemeinhin als wirtschaftliches und politisches Musterland Lateinamerikas. Leider wird ein beträchtlicher Teil des Wirtschaftswachstums durch Ausbeutung von Umwelt und natürlichen Ressourcen ermöglicht. Wirtschaftlicher Erfolg ist oft zum Nachteil der traditionell lebenden indigenen Völker, welche an dem Fortschritt des Landes nur begrenzt teilhaben.

Bis heute haben die Mapuche (mit etwa 1,5 Mio. die größte indigene Minderheit Chiles) unter Diskriminierung und staatlicher Verfolgung zu leiden. Das Menschenrechtskomitee der UNO kritisiert insbesondere, dass die ILO-Konvention 169, welche die Rechte indigener Völker schützt, von Chile zwar ratifiziert wurde, jedoch nicht ausreichend umgesetzt wird. So haben die Mapuche bisher nur einen kleinen Teil ihres angestammten Landes zurückerhalten, außerdem sind sie häufig staatlichen Übergriffen ausgesetzt, bei denen immer wieder auch Minderjährige verletzt oder verhaftet werden. Für die prekäre Lage der Mapuche sind unter anderem auch europäische Siedler verantwortlich, die sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Süden Chiles auf ursprünglichem Mapuche-Gebiet niederließen. Die dort lebenden Mapuche wurden staatlich verfolgt und zwangsumgesiedelt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine unabhängige Menschenrechtsorganisation, die sich für verfolgte und bedrohte ethnische und religiöse Minderheiten, Nationalitäten und indigene Gemeinschaften einsetzt. Die Vereinten Nationen haben der GfbV Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat verliehen. Beim Europarat hat die GfbV mitwirkenden Status.

Die Regionalgruppe (RG) Köln der GfbV setzt sich mit Menschenrechts- und entwicklungspolitischen Themen auseinander, welche die Mapuche betreffen. Aktionen der RG umfassen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland und Europa zu sozialen, kulturellen, politischen und ökologischen Fragestellungen.