| home | archiv | benetton | die EU | kultur | veranstaltungen | kontakt |

Chile: Mapuche vs. Geothermie
14. Dezember 2009
Quelle: http://de.indymedia.org/2009/12/268737.shtml

Die seit Monaten anhaltenden Spannungen zwischen Mapuche Gemeinden und Chilenischer Regierung über territoriale Rechte bekommen durch internationale Investitionen in Erneuerbare Energien wie Wasserkraft und hier Geothermie erneut Brennstoff.
Hier dokumentieren wir eine Erklärung aus der IX.Region "Araukanien"
Melipeuco, 10. November 2009.

ÖFFENTLICHE ERKLÄRUNG
GEGEN DIE AUSSCHREIBUNG FÜR GEOTHERMIEIM GEBIET VON MELIPEUCO.
(IX. Region, Chile)

An die Zivilgesellschaft
An die sozialen Organisationen
An die Presse
An die Bevölkerung der Erde

Der Gemeinderat von Melipeuco,eingerichtet für die Verteidigung der Gebiete in der GemeindeMelipeuco und bestehend aus Mapuche Gemeinschaften, Kleinbauern ,Nachbarn der Gemeinde und Tourismusorganisationen, macht diefolgenden Ereignisse öffentlich:

Das Ministerium für Bergbau gab imLaufe des Monats Juli dieses Jahres eine Ausschreibung für dieErforschung von zwanzig Konzessionen betreffs Geothermie bekannt.Eine davon ist die Konzession Sollipulli in Los Nevados delSollipulli, die sich in der neunten Region Araukanien befindet.

Diese Konzession umfasst eine Flächevon 48.000 km² der Gemeinden Cunco, Melipeuco und Curarrehue. Etwa40% der ausgeschriebenen Fläche gehört zum Nationalen SchutzgebietVillarrica, das aus Araukarien-Bäumen besteht und ein Ort reicherArtenvielfalt in Flora und Fauna ist.

Aber schlimmer ist, dass der Staat dasGebiet von 15 Mapuche-Gemeinschaften der Gemeinde Melipeuco und einerder Gemeinde Curarrehue in die Ausschreibung aufgenommen hat. Aufdiese Art und Weise, bekannt durch Geschehnisse im Norden unseresLandes, in El Tatio, sind ihre Gebiete und natürlichen undkulturellen Ressourcen ernsthaft bedroht.

Es sind religiöse Aspekte betroffen,da innerhalb der Ausschreibungsfläche Orte für das Nguillatúnbestehen, sowie Friedhöfe und natürliche Elemente, die für sichbereits Teil der Religion und Weltanschauung der Mapuche sind.

Sie sehen sich in ihrer kulturellenReproduktion bedroht, da sie in diesen Gegenden ihre den Mapucheseigenen sozialen Feiern erneuern und erschaffen.

Sie sehen sich in der Möglichkeitwitschaftliche Aktivitäten zu entwickeln bedroht, da eine engeBeziehung zwischen dem Leben der Gemeinden und ihrer Umgebungbesteht: die Anden, das traditionelle Pinienkern-Sammeln, oder dasSammeln anderer Nicht-Holz-Produkte, etc. Auf der anderen Seite sinddie Wasserquellen bedroht, denn das Geothermie-Gesetz sieht vor, dassdie Firmen durch Konzession zu Besitzern des kompletten Grundwasserwerden, das sie finden. Dies Grundwasser versorgt die Flüsse undBäche von denen die Mapuche Gemeinschaften abhängig sind. Allediese Elemente sind fundamentale Teile ihrer Ökonomie undtraditionellen Subsistenzwirtschaft.

Es ist auch ein weiterer Zweig derproduktiven Entwicklung bedroht, der große Bedeutung in diesenBereichen gewonnen hat: die Möglichkeit für die Familien einennachhaltigen Tourismus zu gestalten, der auf dem Schutz und derErhaltung der äußerst reichen natürlichen Ressourcen basiert, wieder Vulkan Sollipulli und seine Umgebung.

Die Gemeinden widersprachen beimMinisterium für Bergbau diesen Ausschreibungen und der traditionelleFührer der Gemeinde (Lonko) Jose Relmucao Porma rief dasBerufungsgericht in Santiago an, auf Basis einer Schutzklage, abersein widerspruch wurde abgewiesen. In dem Widerspruch legten siealle vorstehenden Argumente dar, fügten kommunale Landtitel undindividuelle Besitztitel bei, um ihre individuellen Rechte über dasLand zu beweisen, aber keines dieser Argumente wurde beachtet.

Überraschend zu sehen war, dass die Nationale Behörde für Indigene Entwicklung (CONADI), die dasMinisterium für Bergbau um Stellungnahme gebeten hatte, sich nichtzu dieser Frage äußerte, was wiederum das Bergbauministerium als"positves Schweigen" auslegte, in der Annahme, dass einNicht-Äußern der Behörde eine Zustimmung zur Erteilung derKonzession bedeute.

Darüber hinaus stellte sich dasMinisterium für Bergbau taub gegenüber den Argumenten, die sich aufdas IAO-Übereinkommen Nr. 169 bezogen, was die Verpflichtung deröffentlichen Einrichtungen zu einem Prozess der Konsultation undTeilnahme verpflichtet, immer wenn diese Projekte in indigenenGebieten beginnen wollen.

Kurz gesagt, das Ministerium fürBergbau hörte sich nicht eines der vorgetragenen Argumente an,überging die Rechte der indigenen Bevölkerung über ihrTerritorium, und die Vereinbarungen in der IAO-Konvention 169, die inChile bereits Gültigkeit hat.

Die Antwort stellt wiedereinmal dieInteressen der großen Konzerne über die lokalen Interessen, und indiesem Fall über die Interessen der Mapuche Bevölkerung, dabei ohneKonsultation und erst recht ohne Genehmigung ihre angestammten Rechteübergehend, sowie die Mapuche Gemeinschaften und ihre Rechte, diesie als Bevölkerung über ihre Territorien haben.

Deshalb rufen wir, die Gemeinden undder Gemeinderat Melipeuco, die Regierung auf, die angestammtenRechte, betroffen durch die Gesetzgebung bezüglich Geothermie,durchzusetzen. Gleichzeitig machen wir einen erneuten Appell an alle,die von diesen Praktiken betroffen sind, uns zusammenzuschließen undauch weiterhin, unser Territorium zu verteidigen!

GEMEINDERAT MELIPEUCO