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Am 17. Sept. 2010, Alte Feuerwache, 20 Uhr
Projekt des chilenischen Künstlervereins INOCA e.V.

In unserem Projekt „Origen e identidad“ steht das Multimedia Werk „Oda al Pehuén II“ von Ramón Gorigoitia, Alex Mora und weitere Künstler von INOCA e.V. im Mittelpunkt. Dem Verein chilenischer Künstler im Ausland (www.inoca.net), stellt dieses Projekt im Rahmen des „Bicentenario“, die Feier zum zweihundertjährigen Bestehen der Republik Chile, vor. Der Verein INOCA (International... Network of Chilean Artists) wurde 2001 auf Initiative von mehreren unabhängigen in Deutschland lebenden chilenischen
Künstlern gegründet. Bedeutende Unterstützung erhielt der Verein in der Gründungsphase von dem damaligen chilenischen Botschafter in Berlin, der Schriftsteller Antonio Skarmeta. Die Grundidee unseres Vereins und seine Initiativen für interdisziplinäre künstlerische Projekte fand auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Niederschlag und stößt auf Interesse bei vielen in anderen Ländern niedergelassenen Chilenen.

Das Ziel dieses interdisziplinären Projektes „Origen e identidad“ ist es, die Arbeit einiger Künstler unseres Vereins im Rahmen des ausgewählten Themas zu präsentieren. Das Werk „Oda al Pehuén II“ an sich basiert auf die Vertonung einer Legende der Mapuche-Indianer Chiles, sowie aus Versen des literarischen Werkes „Der große Gesang“ des chilenischen Dichters und Nobelpreisträger Pablo Neruda.

Es soll eine Huldigung an die größte Ethnie unseres Landes, die Mapuche sein, die ein wichtiger Aspekt unsere kulturelle Identität ausmacht. Von der spanischen Kolonialmacht beinahe ausgerottet, waren die Mapuche das einzige Volk in Lateinamerika, daß über 300 Jahre die europäischen Eroberer in unzähligen Schlachten stand halten konnten. Erst 70 Jahre nach der Gründung der Republik Chiles wurden die Mapuche nach einen blutigen Krieg gegen der chilenischen Armee besiegt und in das Land Chile eingegliedert. Sie hielten dennoch an ihre Traditionen und Mythen fest und
behielten ihre Sprache und Riten. Bis unsere Tage dauerte der lange Kampf nach mehr Autonomie und Anerkennung dieses Volkes gegen die Regierungen des Landes.

Um diesen Kampf und ihren historischen Hintergründe handelt dieses multimediale Projekt, das gegenwärtig eine noch nicht gelöste Problematik in unsere Gesellschaft darstellt.

Teilnehmende Künstler:

•Alex Mora (Performance, Perkussion)
-Alina Rodenkirchen (Lesung auf deutsch als Teil der Perfomance)
•Ramón Gorigoitia (Musik: Pianist, Komponist, Multiinstrumentalist)
•Sergio Terán (Musik: Saxophon, Percussion, ethnische Aerophone) Ulli
•Simon (Musik/Poesie: Gesang, ethnische Aerophone, Lesung) Claudio
•Villarroel (Design & Neue Medien: Videoanimation)
Weitere Informationen zu den Künstlern unter www.inoca.net

Die Selbst-Reflektion des Künstlers in einem fremden Kontext Auf die Frage “Wer sind wir?” bietet uns die moderne Gesellschaft vielfältige unterschiedliche Antworten. Die Identität ist kein starres, unbewegliches Gebilde. Wir, die im Ausland lebenden Chilenen, sind hybride Wesen, die ihre zwei Identitäten, ihre zwei Kulturen, ständig mit sich herumtragen. Der ganze Prozess beginnt mit dem Erlernen einer fremden Sprache, aber er endet dort noch lange nicht. Das Verstehen ist etwas anderes als das
Begreifen. Dieser und andere Aspekte führen uns in einen hermeneutischen Erkenntnisprozess, in dessen Verlauf wir unsere Einstellungen und Überzeugungen überprüfen und erneuern. Verlust und Gewinn sind unsere ständigen Begleiter während unserer sozialen Integration in Deutschland.

Im Verlauf des Integrationsprozesses nimmt der Immigrant langsam, aber äußerst intensiv neue Gewohnheiten und Einstellungen an. Gleichzeitig verwirft er andauernd erlernte Strukturen, die in diesem neuen soziokulturellen Kontext nicht funktionieren. Konstant bleibt wahrscheinlich für jeden Immigranten die Sehnsucht einer Rückkehr an den Ursprung, gleich einer chilenischen Legende, in der der junge Mapuche Lautaro nach jahrelanger Abwesenheit zu seinem Volk zurückkehrt und dabei
neue Ideen und Anschauungsweisen mitbringt, die zu denen seines Volkes in
absolutem Gegensatz stehen.

In Abwesenheit erschafft sich der Immigrant auch seine Heimat neu (Die Abwesenheit bildet die neue Präsenz). Unsere Aufgabe ist es, unseren Herkunftsort aus einem anderen, neuen Blickwinkel zu betrachten. Zu reflektieren, was an unserer Heimat uns mit Stolz erfüllt, und auch was uns vielleicht beschämt. Dieser Prozess kann vieles bis dahin Gelerntes in Frage stellen.

Alex Mora, Visueller Künstler