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Hannover, den 02 Januar 2017
Pressebericht
zu Machi Francisca Linconao Huircapan


Machi Francisca Linconao

Von dem Recht in Frieden zu leben
Freiheit für die spirituelle und politische Autorität der Mapuche in Chile: Machi Francisca Linconao Huircapan

(Machi sind spirituelle Autoritäten in der Kultur der Mapuche, die ihrer Gemeinschaft/ ihrem Volk dienen, indem sie für den Erhalt und die Wiederherstellung der physischen und spirituellen Gesundheit sorgen.)

Es mag fast außergewöhnlich klingen sich für das Leben und die Menschenrechte eines einzelnen Menschen einzusetzen, wenn gleichzeitig die von Tausenden/ Millionen an anderem Orten der Welt systematisch verletzt werden.

Wir schreiben an Sie, appelieren an Sie als Presse- und Medienmenschen, weil wir um das Leben von Machi Francisca Linconao Huircapan und die weiter zunehmende Repression gegen die Mapuche-Bewegung besorgt sind.

Die spirituelle und politische Autorität der Mapuche in Chile und Heilerin ist seit dem 23. 12. im Hungerstreik. In ihrem, durch die 9 monatige Untersuchungshaft, kritischen Gesundheitszustand eine drastische Maßnahme, um sich bei den chilenischen Autoritäten endlich Gehör zu verschaffen.

Hier wie dort ist der Zeitpunkt der Gerichtsanhörungen kurz vor Weihnachten und zwischen den Jahren mehr als ungünstig, wohl aber absichtlich so gewählt.

Am 22.12. hat das Berufungsgericht von Temuco zum vierten Mal entschieden, dass Machi Francisca Linconao Huircapan nicht, wie in der Woche zuvor erneut beschlossen, zu Hause/ unter Hausarrest auf die Gerichtsverhandlung warten kann, sondern zurück ins Frauengefängnis von Temuco muss.

Am 30. März 2016 wurde Machi Francisca und zehn andere Mapuche-Gemeindemitglieder unter Anwendung des Antiterrorgesetzes angeklagt an der Brandstiftung mit Todesfolge des Ehepaares Luchsinger-Mackay beteiligt zu sein. Das Ehepaar kam am 03.01.2013 bei einem Hausbrand ums Leben.

Bei der ersten Anhörung stellte der einzige Zeuge, José Peralino Huinca, vor Gericht klar, dass seine belastende Aussage unter Folter der chilenischen Geheimpolizei (PDI) erfolgte.

Die Anwendung des „Anti-Terrorgesetzes“, des Gesetzes N° 18.314, welches aus der Militärdiktatur stammt und das in erster Linie gegen Angehörige des Volkes-Nation Mapuche angewendet wird, und zu einer Kriminalisierung ihrer berechtigten Forderungen nach Land und Selbsbestimmung führt, ist grundsätzlich zu hinterfragen. Mehrfach haben unterschiedliche Ebenen der Vereinten Nationen die Anwendung dieses Gesetzes kritisiert und seine Abschaffung gefordert. 2013 zum Beispiel übte der UN-Sonderberichterstatter für Terrorismusbekämpfung und Menschenrechte, Ben Emmerson, nach einem Besuch in Chile harte Kritik an der Anwendung des Gesetzes und forderte eine sofortige Einstellung seiner Anwendung. Das Nationale Institut für Menschenrechte (INDH) weist in seinem aktuellen Jahresbericht erneut darauf hin, dass Mapuche, die wegen terroristischer Delikte angeklagt wurden, häufig überdurchschnittlich lange Zeiten in Untersuchungshaft verbringen, um anschließend freigesprochen zu werden www.indh.cl/. Amnesty International Chile hat kürzlich gefordert, dass die Untersuchungshaft als solche nicht bereits als Mittel der Strafe benutzt werden sollte. Dies verstoße gegen das Grundprinzip der Unschuldsvermutung.
Ana Piquer, Geschäftsführerin von Amnesty International Chile sagte auf den Fall von Machi Francisca Linconao bezogen: “Es bestehe keinerlei Grund für die Untersuchungshaft von Machi Francisca Linconnao. Sie sollte in Freiheit auf das Gerichtsverfahren warten können.“ www.mapuexpress.org/?p=13269

Anlass zu besonderer Sorge gibt uns, dass Machi Francisca Linconao Huircapan und den anderen 10 Mapuche-Gemeindemitgliedern unfaires Verfahren und lebenslange Haft drohen könnten, weil aufgrund der Anwendung des Anti-Terrorgesetzes anonyme Zeugen zugelassen sind.

Chile hat 2008 die UN-Konvention über die Rechte indigener Völker (ILO 169) unterzeichnet, die u.a. besagt, dass bei Personen, die einem indigenen Volk angehören, Alternativen zu Gefängnisstrafen vorzuziehen sind. Machi Francisca Linconao Huircapan befindet sich seit neun Monaten in Untersuchungshaft, die dreimal für eine Woche Hausarrest unterbrochen wurde.

Ihr Gesundheitszustand ist kritisch. Sie wiegt nur noch 42 kg, leidet unter chronischer Gastritis, Bluthochdruck, einem Hexenschuss und einer Angstdepression. Von ihren Anwälten wurde inzwischen vier Mal gefordert, dass die Untersuchungshaft in Hausarrest umgewandelt werden soll, und zwar aufgrund ihres Gesundheitszustandes, ihres Alters und nicht zuletzt ihrer besonderen Stellung als spirituelle Autorität der Mapuche. Gerade ihre Rolle als Heilerin erfordert die Nähe zu ihrer Gemeinde, lof. Jedes Mal hat das Berufungsgericht die Entscheidung auf einen Hausarrest widerrufen und behauptet, die Machi stelle eine Bedrohung für die Gesellschaft dar.

Am 29.12. haben Anwälte einen Brief an Menschenrechtskommisionen der UNO geschickt, um sie zu bitten sich für Machi Francisca Linconao einzusetzen, die „derzeit eine regelrechte Folter erleidet, indem all ihre Rechte missachtet und ihr Leben bedroht werden.“ www.mapuexpress.org/?p=14577
Mit einer Antwort dieser Organismen ist allerdings erst in zwei Wochen zu rechnen.
Das kann für Machi Francisca Linconao zu spät sein.

Am 30.12. besuchte eine Delegation der Abteilung für Menschenrechte der chilenischen Ärztekammer Machi Francisca Linconao im interkulturellen Krankenhaus von Nueva Imperial und zeigten sich sehr besorgt um ihren Gesundheitszusatnd nach einer Woche Hungerstreik. Sie folgerten, dass sie aufgrund der bereits vorhanden gesundheitlichen Schwierigkeiten vor dem Hungerstreik, über eine gesunkene funktionale Reserve verfüge, um den Hungerstreik fortzusetzen.

Sie rechnen nicht mit Wochen, sondern Tagen.

Besorgt zeigten sich die Ärzte auch über die Nachricht des Gefängnisleiters, dass Machi Francisca für den Hungerstreik mit Besuchsverbot bestraft werden soll, ihrer Meinung nach eine rechtswidrige Mahnung für eine Person, in einer vulnerablen Situation.www.mapuexpress.org/?p=14666

Auch die Vereinigung von Gemeinden mit Mapuche Bürgermeistern (AMCAM), die die Machi am Tag darauf besuchten waren alarmiert, „Wenn Sie nicht jetzt frei gelassen wird, kann es sein, dass sie im Sarg heraus kommt“, so Juan Carlos Reinao.
www.cooperativa.cl/noticias/

Es muss jetzt etwas geschehen!



Bitte unterstützen Sie Machi Francisca Lincoa Huircapan, indem die von ihr erlebte Ungerechtigkeit und der würdevolle Kampf der Mapuche um Selbstbestimmung bekannt wird und die mediale Blockade ein Ende hat!

Die Sprecherin der Machi, Ingrid Conejeros Montecino, ist sicherlich zu einem Interview bereit.

Am Dienstag, dem 3. Januar jährt sich zum 9. Mal der Todestag von Matias Catrileo, einem jungen Mapuche-Stundenten der bei einer friedlichen Landrückforderung „auf dem Land der Familie Luchsinger-Macay“ von einem Polizisten von hinten erschossen wurde.
Für diesen Tag wird in Chile, und auch international, zu weiteren Mobilisierungen zur Unterstützung von Machi Francisca aufgerufen.

Zu erwähnen ist außerdem, dass Machi Francisca Linconao Huircapan 2008 einen Präzendenzfall für ganz Südamerika gewann, als sie das Forstwirtschaftsunternehmen Palermo limited unter Anwendung der ILO Abkommen für indigene Völker wegen illegaler Abholzung heimischen Waldes anklagte. Und damit ein Gebiet in ihrer Gemeinde schützen konnte, in den Heilpflanzen wachsen. Durch Abholzung und Monokultur sind diese überall in Gefahr.

Aktuelle Informationen auf Spanisch finden Sie unter www.mapuexpress.org

Die deutsche Übersetzung der Petition „Freiheit jetzt für Machi Francisca Linconao“ von Fondo de Accion Urgente para América Latina y El Caribe unter:

www.3wfhannover.de/?Mapuche_Solidaritaetsgruppe

Wir danken im Voraus.

Wünschen Ihnen alles Gute für das neues Jahr, vor allem Kraft, um den schrecklichen Entwicklungen Positives entgegenbringen zu können.

Mit solidarischen Grüßen, Rodolfo Ballesteros und Anna Piquardt, für die:
Mapuche Solidaritätsgruppe des 3WF Hannover – Forum für eine andere Welt e.V.
Hausmannstr. 9-10
30169 Hannover

Kontaktpersonen:
Anna Piquardt (derzeit in Frankreich)
anna_piquardt2002@yahoo.de
0174-4505119
Rodolfo Ballesteros
ballesteros_rodolfo@hotmail.com
0172-4194619