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Mapuche-Chronologie – Ereignisse Februar 2014
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) indigene@gfbv.de ׀www.gfbv.de
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01.02.2014 Mapu-Express [Sonstiges]

Am 28. Januar 2014 veröffentlichte der UN-Menschenrechtsrat die Ergebnisse seines zweiten Universal Periodic Review(Examen Periódico Universal) über die Menschenrechtssituati-on in Chile. 185 Empfehlungen von verschiedenen Ländern sollendie aktuelle Menschen-rechtslage verbessern. Die chilenische Regierung weistjedoch den Vorwurf zurück, mithil-fe des Antiterrorgesetzes die Mapuche zu kriminalisieren. Eine umfangreiche schriftliche Stellungnahme wurde angekündigt.

01.02.2014 Mapu-Express [Kultur]
Anlässlich des Internationalen Tags der Mutterspracheam 21. Februar wird dazu aufgeru-fen, für die Gleichstellung des Mapuzugunmit dem Spanischen – zumindest in Gulumapu – zu kämpfen. Dies soll unter dem Slogan “Mogeley Mapuzugun; Oficialización del Mapuzu-gun” („Unsere Mapuche-Sprache lebt“) geschehen.

02.02.2014 Mapu-Express [ILO 169 und Umwelt]
Die Wasser Generaldirektion (Dirección General de Aguas, DGA) und das Unternehmen
Pilmaiquén S.A.bestätigen, dass der Bau des Wasserkraftwerkes Osornogenehmigt wur-de. Damit scheint die Zerstörung des heiligen ZeremonienortsNgen Mapu Kintuantebe-schlossene Sache zu sein. Wieder einmal verstößt Chile gegen die ILO Konvention 169und tritt die Rechte der Mapuche mit Füßen.

03.02.2014 Mapu-Express [politische Gefangene]
Am 3. Februar 2014 beginnt unter großem Polizeiaufgebot in Temuco der Prozessgegen den Machi Celestino Córdova Tránsito, der als einziger für den Brandanschlag und den an-schließenden Tod des Ehepaars Werner Luchsingerund Vivian McKayim Januar 2013 ver-antwortlich gemacht wird. Die Mapuche werten das Verfahren als neuen Versuch seitens des Staates, ihr Volk zu kriminalisieren. Dieser Eindruck wird durch die Aussage von Córdovas AnwältenPablo Ortega und Karina Riquelme verstärkt. Ihnen zufolge gibt es keine Beweise, dass Córdova am Tatort war. Aus diesem Grund plädieren sie auf Freispruch.

03.02.2014 Werken, Mapu-Express [Sonstiges]
13 Männer, darunter etwa fünf minderjährige Jungensowie vier Frauen wurden am 3. Feb-ruar 2014 von der Polizei in Temuco festgenommenund sollen zum Teil misshandeltwor-den sein. Sie waren nach Temuco gekommen, um ihre Solidarität mit dem Machi Celestino
Córdovazu bekunden. Der Zusammenstoß mit der Polizei ereignete sich, als die Mapuche
dabei waren, sich vom Gerichtsgebäude zu entfernen.Den Festgenommenen wurde medizini-sche Versorgung verweigert.

03.02.2014 Mapu-Express [Landforderungen]
Auf ihrem IV. Kongress vom 31. Januar bis 2. Februar 2014 in Hornopirén (Hualaihué) spra-chen sich die Lafkenchefür ihre regionale und lokale Identitätaus, welche nur durch terri-toriale Kontrollegemäß der Gleichgewichtung aller Lebensformen (itrofil mogen) gewähr-leistet werden kann. Damit einhergehend fordern diesie die Einhaltung und korrekte Anwen-dung des Gesetzes 20.249 (Ley Lafkenche), welches den Lafkenche die von ihnen bewohnte Küstenzone als legales Territorium zuspricht. Darüber hinaus fordern sie die Aufhebung des Antiterrorgesetzes, des Fischerei- und Landwirtschaftsgesetzes (Ley des Pesca y Acuicultura), des Gewässer- und Bergbaugesetzes (Código de Aguas y Código Minero) wie auch des Dek-rets 701 zur Waldförderung (Decreto 701 de Fomento Forestal). Abschließend bekräftigen sie ihren Kampf für einen pluriethnischen Staat.

03.02.2014 Mapu-Express [Sonstiges]
Das Berufungsgericht von Temucohat bezüglich der Beschwerde des Nationalen Men-schenrechtsinstituts(INDH) eine Entscheidung getroffen: (Mapuche) Kindermüssen in
Zukunft besser vor polizeilicher Gewalt geschützt werden. Am 1. November 2013 waren ein 11-Jähriger, ein 16-Jähriger und eine 19-Jährige inChequenco (Ercilla, La Araucanía) durch Gummi- und Schrotgeschosse der Polizei verletzt worden.

05.02.2014 Mapu-Express [Landforderungen]
Die Mapuche-Gemeinde Kudawfe Peñikämpft um die Landrückgabeund territoriale Kon-trolle im Gebiet Anguillas. Das für die Mapuche heilige zeremonielle Gebiet untersteht mo-mentan dem Forstunternehmen Volterra.

05.02.2014 Mapu-Express [ILO 169 und Umwelt]
Die Mapuche-Gemeinschaften Lof Karilafken in Pitrufquénwehren sich gegen den Bau ei-nesWasserkraftwerksam Fluss Toltén. Als Teil eines Wasserkraftwerkkomplexes in der
Region La Araucanía möchte das Unternehmen Minicentral Hidroeléctrica Saltos de los
Andesdas Wasserkraftwerk Central Hidroeléctrica los Aromoserrichten. Im Rahmen des
91.9 Millionen Dollar schweren Projekts sollen 90 Prozent der Wassermenge des Flusses mit-hilfe eines acht Kilometer langen Kanals umgeleitetwerden. Davon betroffen wären Millape Flores, Francisco Marilefund Lliucuyin. Die Mapuche berufen sich auf die ILO Konventi-on 169 und verbitten sich jede unautorisierte Maßnahme in ihrem Gebiet.

05.02.2014 Liwen ñi Mapu & Asoc., Mapu-Express [Antiterrorgesetz]
Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechteder Organisation Amerikani-scher Staaten (OEA) prüft, ob er in die Auseinandersetzung zwischen Mapuche-Führern
(Lonkos) und dem chilenischen Staatbezüglich der Anwendung des Antiterrorgesetzes
eingreifen wird.

06.02.2014 amerika21.de [Sonstiges]
Die Mapuche in der Region La Araucaníabeklagen sich über zunehmende Überwachung
durch Drohnen. Vor einiger Zeit hatte Regierungssprecherin Cecilia Pérez erklärt, die Maß-nahmen der Regierung dienen der „Befriedung der Araucanía“. Der Mapuche-Aktivist und Dozent Diego Ancalao bewertet diese Form der Befriedungjedoch als Auslöschung, Landan-eignung, massives Verbrechen gegen die Menschlichkeit und territorialen Autonomieverlust.

08.02.2014 Mapu-Express [Sonstiges]
ElfMapuche Kinderwaren im Januar 2014 von der Polizei im Zuge der Räumung eines von
Indigenen besetzten Grundstückes festgenommenworden. Fünf der Kinder waren jünger als
fünf, der Rest jünger als 14 Jahre alt. Am 16. Januar 2014 wurde zudem in Puerto Domínguez ein 15-jähriger Junge verhaftet, der mit Angehörigen der Mapuche-Gemeinschaft Aylla Rewe Budi eine Farm besetzt hatte. Verschiedene Hilfsorganisationenverurteilen diese Vor-kommnisse als Verstoß gegendie international anerkannten Rechte von Kindernsowie gegendie Rechte indigener Völker, für deren Einhaltung der chilenische Staat verantwort-lich ist.

10.02.2014 Liwen ñi Mapu & Asoc., Mapu-Express [Kultur]
Laut einer Studie der amerikanischen NGO First Peoples Worldwide (FPW) operieren ame-rikanische Öl- und Gasgesellschaftensowie Bergbauunternehmen in 370 Indigenen-Gebietenin 36 Ländern. In den meisten Fällen werden Rohstoffe ohne Rücksicht auf die
(Menschen-)Rechte der betroffenen Indigenen abgebaut. Allein in der geologischen Formati-on Vaca Muertein der Region Neuquén, Argentinien leben etwa 29 Mapuche-Gemeindschaften. Laut dem Sprecher der Confederación Mapuche de Neuquén, Jorge Na-huel, gefährdendie riesigen Ölfelder dort das Leben und dieKultur der Mapuche.

10.02.2014 Mapu-Express [Sonstiges]
In Bío Bío versuchen Indigene Gemeinden ein Pehuenche-Mapuche Parlamenteinzurich-ten. Dieses soll die Entscheidungsautonomieder Gemeinden sichernund die Einhaltung
der Rechte indigener Völker überwachenbeziehungsweise für diese kämpfen. Momentan
wird nach Büroräumen in der Stadt Los Ángeles, 130 Kilometer südöstlich von Concepción, gesucht. Darüber hinaus ist eine Reise nach Norwegen geplant, um sich dort über die Konsti-tuierung eines Parlaments zu informieren.

12.02.2014 Werken [Sonstiges]
Raúl Castro Antipán gesteht, als verdeckter Polizeiinformant terroristische Aktionen ver-übtzu haben, um anschließend die Mapuchezu beschuldigen. Das Geständnis kam am
11. Februar 2014 im Laufe einer Gerichtsverhandlungin Angol zustande, in der sich Luis Marileo und Patricio Queipul (beide Mapuche) wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das An-titerrorgesetz verantworten müssen.

13.02.2014 Werken [Antiterrorgesetz]
Luis Marileound Patricio Queipulwurden im Fall Peaje Quino freigesprochen. Das Ver-fahren hatte für Aufmerksamkeit gesorgt, weil Raúl Castro Antipán gestand, terroristische Aktionen verübtzu haben, um die Mapuchezu kriminalisieren. Zwischen 2009 und 2011‚überführte’ Castro durch seine Aussagen circa 30 Mapuche. Er selbst wurde wegen Verstöße gegen das Antiterrorgesetz verurteilt, musste aber keine Haftstrafe verbüßen. Stattdessen stellt ihm der chilenische Staat eine Wohnung zur Verfügung.

14.02.2014 Liwen ñi Mapu & Asoc.[Sonstiges]
Víctor Queipal, der Führerder Gemeinschaft Temucuicui Autónoma, kündigt an, den chile-nischen Staatwegen der Infiltrierung von Mapuche-Gemeinschaftendurch Carabinieros zu verklagen. Víctor Queipal ist der Onkel von Patricio Queipul, der 2009 als 15-Jähriger nach dem Antiterrorgesetz verurteilt worden war, nun aber freigesprochen wurde.

15.02.2014 Mapu-Express / 18.02.2014 Werken [Sonstiges]
In einer öffentlichen Erklärung macht die Mapuche-Gemeinschaft Vicente Reinahuel(CVR)
folgendes publik: Am 12. Februar 2014 zwischen 10:00-16:00 Uhr nahmen vier Ermittler des Fünftes Kommissariats von Panguipulli, ohne einen Durchsuchungsbefehl vorzulegen bezie-hungsweise ohne sich auszuweisen, Ermittlungen wegen illegalem Holzabbauauf dem Ge-biet Las Vertientesauf. Die CVR und Las Vertientes befinden sich derzeit in einem Rechts-streitum 13.000 Hektar Land. Die Ermittler kündigten zudem an, künftig die Ausfuhr sowie den Verkaufvon Holzbalken zu kontrollierenund legten den Preis auf 12.000 Pesos pro Ster fest. Die CVR bekräftigt dagegen, nur eigenes Holz abgebaut zu haben. Aus diesem wurden Bal-ken gefertigt, um den Lebensunterhalt der Familien zu sichern – nicht um sich zu bereichern.

17.02.2014 Mapu-Express [ILO 169 und Umwelt]
Verschiedene MapucheGemeinschaften und Organisationen aus Pitrufquéntrafen sich, um
gegen den Bau desWasserkraftwerks Los Aromosam Fluss Tolténvorzugehen. Während
einer Versammlung (Trawun) am Freitag, den 14. Februar 2014, kritisierte eine breite Oppo-sition das Projekt.

20.02.2014 Werken, Liwen ñi Mapu & Asoc.[politische Gefangene]
Ein Gericht in Temuco sprach den Machi Celestino Córdova Tránsito wegen Mordesund
vorsätzlicher Brandstiftung schuldig, stufte diese Delikte aber nichtals terroristische Ak-teein. Das Strafmaß wird am 28. Februar 2014 verkündet; die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe. Córdova wurde zudem vom Vorwurf freigesprochen, für den Überfall auf die Farm Santa IsabelEnde 2012 verantwortlich zu sein. Laut den Untersuchungsergebnissen versuchte eine Gruppe Vermummter in der Nacht des 4. Januars 2013 in das Wohnhaus des Paars Luchsinger/MacKay einzudringen. Dabei schoß Luchsinger einem von ihnen in den Hals. MacKay versuchte Hilfe zu rufen, doch die Angrei-fer setzten das Haus in Brand und verursachten so den Tod des Paares. Córdova, der eine Schussverletzung am Hals hatte, wurde noch in derselben Nacht nahe dem brennenden Haus aufgegriffen, verhaftet und schließlich als Einziger für den Überfall auf Luchsinger/MacKay angeklagt. Der Tod des Ehepaars entfachte eine nationale Debatteüber den wachsenden Konfliktin der Region La Araucanía und die Anwendung des Antiterrorgesetzes.

24.02.2014 Werken [Kultur]
Anlässlich des Internationalen Tags der Mutterspracheam 21. Februar fanden verschiedene Veranstaltungen und Aktionen im ganzen Land statt: In Temuco wurde beispielsweise für die offizielle Anerkennung des Mapuzugundemonstriert; im Museo de la Memoria(Museum der Geschichtsaufarbeitung) in Santiago wurde der rituelle Tanz Pacha Mapu La Tierra (TINKU) aufgeführt. Zudem wurde auf Twitterein weltweiter Sturm losgetreten, um die Anerkennung des Mapuzuguns voranzubringen.
Die Muttersprachemuss als politisches Befreiungsinstrument verstanden werden. Sie för-dert eigenständiges Denken sowie Selbstbestimmung und ist damit die Voraussetzung für kulturellen Wandel.

25.02.2014 Mapu-Express [ILO 169 und Umwelt]
Am Samstag, den 22. Februar 2014 kam es erneut zu Protestengegen den Bau des Wasser-kraftwerks Los Aromos. Nach Kundgebungen vor der Gemeindeverwaltung von Pitrufquén
verbrannten die circa 150 Protestierendensymbolisch ein Boot auf einer Brücke und unter-brachen so den Verkehr für 40 Minuten. Anschließendließen sie die Kundgebung mit kultu-rellen Aktionen auf der Plaza los Héroes ausklingen.

26.02.2014 Liwen ñi Mapu & Asoc., Werken [Sonstiges]
Während eines Besuchs des scheidenden PräsidentenSebastián Piñerain La Araucaníaam
25. Februar 2014 kam es zu willkürlichen Festnahmen von Mapuche-Angehörigen. Unter
den Festgenommen befand sich auch ein Minderjähriger. Der Präsident war in die Region
gekommen, um den umstrittenen internationalen Flughafen im Mapuche-Gebiet„einzu-weihen“, obwohl dessen Bau noch nicht abgeschlossenist.