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26. April 2010
Paul Schäfer: Ein dunkles Kapitel Chiles wurde geschlossen.
Quelle: http://www.santiagotimes.cl/
Übersetzung: Alina

SchäferAm Samstag morgen um 7:20Uhr starb Paul Schäfer, Altnazi und Beteiligter an Folter, Steuerhinterziehung und Kindesmissbrauch mit 88 Jahren an einem Herzinfarkt.

Schäfer hatte erst 5 Jahre seiner 33- jährigen Haftstrafe verbüßt. Davon waren 20 Jahre Haft für den nachgewiesenen Missbrauch an 25 Kindern. Er wird allerdings beschuldigt sich an über 10.000 Kindern innerhalb von 40 Jahren vergangen zu haben.

In Jahre 1961 floh Paul Schäfer aus Deutschland, da er dort wegen Kindesmissbrauch angeklagt werden sollte. Er kam nach Chile und gründete die berüchtigte „Colonia Dignidad“, die „Siedlung der Würde“, in der er sich mit einer Gruppe von deutschen Immigranten niederließ und er zu einer Art Sektenführer wurde. Diese Siedlung in der Nähe der Stadt Parral etwa 400 Kilometer südlich von Santiago wurde von Schäfer von der Außenwelt isoliert und bildete lange Zeit eine Art Staat im Staate mit Steuerfreiheit. Diese wurde ihm gewährt, da er vorgab ein humanitäres Zentrum zu betreiben.

Der erste, der aus der Siedlung entkommen konnte war Wolfgang Müller, der 1966 Schäfer anklagte.

In der Zeit der Diktatur Augusto Pinochets 1973-1990 wurden die Anklagen auf Eis gelegt, denn Schäfer half der staatlichen Geheimpolizei DINA Gefangene zu foltern und sie auf seinem Gelände festzuhalten. Viele der Oppositionellen „verschwanden“ in der Siedlung „Colonia Dignidad“ während dieser Epoche des Terrors.

Erst nach Ende der Diktatur 1990 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen, so dass Schäfer 1997 nach Argentinien floh und 2005 gefangen genommen.

Schäfer

In der Zwischenzeit fand man in einem drei Tonnen schweren Waffenlager unter denen 85 Maschinenpistolen, 60 Handgranaten und Raketenwerfer zu finden waren. Heute besteht die „Colonia Dignidad“ weiter unter dem Namen „Villa Baviera“.