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6 Januar 2009
Das Erbe Pinochets

(35. Jahrestag des Putches)
Autor: Alina

Das Erbe der Diktatur unter Augusto Pinochets (1973-1990) wiegt bis heute schwer. Dazu gehört auch die Privatisierung der Wasservorkommen in den 1980er Jahren, die derzeit mehr und mehr an Brisanz gewinnt und auszuufern droht, da vor allem die Existenz der indigenen Gemeinden der Mapuche infragegestellt wird. Energiekonzerne, wie der multinationale Konzern Endesa besitzen die Rechte an den wasserreichsten Flüssen. Der Mutterkonzern sitzt in Spanien und 36% des Besitzes Endesa Españas in Iberoamerika befindet sich in Chile.

Diktator Pinochet

Endesa España, die bereits Staudämme in Chile errichten ließ, will nun den umstrittenen Staudamm des Bío Bío Flusses ausbauen. Zwei Talsperren, Pangue und Ralco, wurden bereits gegen erbitterten Widerstand des Mapuche Volkes ans Netz genommen. Jetzt sind neben dem Ausbau des Bío Bío Staudammes weitere Wasserkraftwerke in Patagonien geplant. Dies würde weitere Zwangsumsiedlungen der Mapuche bedeuten, die ihres angestammten Landes verwiesen, ihrer Tradition auf ihrem Ahnenland beraubt und entwurzelt würden.

Der Energiekonzern Endesa España ist nicht alleine mit seinen Vorhaben, denn ein norwegisches Unternehmen namens SN Power und das australische Unternehmen Pacific Hydro planen im Süden Chiles weitere Mega-Projekte.

Endesa Chile hat mit Unterstützung der Unternehmen Xstrata und Colbún vor, fünf Talsperren an den Flüssen Baker, Simpson und Neef in Patagonien hochzuziehen. Über 6.000 Hektar Land müssen geflutet werden, wobei ökologisch wertvollste Uferlandschaften verschwänden und Teile unberührtester Landschaft zerstört würden. Menschen leben und arbeiten seit Jahrhunderten auf der Fläche, die geflutet werden soll, sie sind auf dieses Land angewiesen.

In diesem Teil Chiles gibt es noch letzte Vorkommen des chilenischen Urwaldes, sowie die reinsten Süßwasservorkommen der Welt. Hier leben noch seltene und bedrohte Tieren, wie das Huelmul, das Wappentier Chiles.

Die Menschen in Chiles Süden leben vom Tourismus. Diese sagenhafte und unberührte Natur ist einzigartig und wegen dieser Einzigartigkeit und Reinheit kommen die Touristen. Die geplante Hochspannungsleitung von etwa 2.200 Kilometer wird durch diese noch reine Landschaft führen, an der entlang eine 120 Meter lange Schneise durch die Natur gerissen werden muss. Wenn dieses Bild der unberührten Natur nicht mehr existiert, bleiben die Touristen weg und die wichtigste Einnahmequelle der Menschen des Südens bricht zusammen. Viele werden arbeitslos und rutschen unaufhaltsam in die Armutsfalle.

Die Organisation zur Verteidigung von Patagonien (Consejo de Defensa de la Patagonia) kämpft gegen diese Zerstörung an. Mehr als vierzig regionale, nationale und internationale Organisationen haben sich zu einer zusammengeschlossen, um mit vereinten Kräften gegen diese Projekte von Endesa España anzukämpfen. Unter anderem erhalten sie Unterstützung von dem Milliardär, Umweltschützer und Gründer der Bekleidungsmarke Esprit Douglas Tompkins. Der kaufte in Patagonien bereits viel Land, um es in Naturschutzparks umzuwandeln.

Die chilenische Regierung steht den Wasserkraftwerken allerdings nicht abgeneigt gegenüber und begründet dies mit dem akuten Stromversorgungsengpass mit dem sich Chile konfrontiert sieht. Durch eigene Ressourcen kann die Stromversorgung bald nicht mehr gedeckt werden und so verweist die Regierung auf die Wasserkraftwerke, die die Lösung des Problems darstellen sollen. Da die Wasserkraftwerke erst 2015 fertig gestellt werde könnten, ist dies eine völlig haltlose Behauptung, die nicht erklärt, warum die vielen erneuerbaren Energien, wie Solarenergie oder Windkraft, nicht in Betracht gezogen werden. Studien beweisen eindeutig, dass erneuerbare Energien viel rentabler, umweltschonender seinen und das dreifache an Energie liefern können, als für die Staudämme berechnet wurde.

Die anderen Projekte, der anderen Unternehmen liegen etwas weiter nördlich. SN Power will die Flüsse Tinguiririca und Azufre benutzen, um dort zusammen mit dem australischen Unternehmen Pacific Hydro vier Wasserkraftwerke zu errichten. In den Bezirken Panguipullis, Futronos und des Lago Ranco wollen SN Power mit dem Unternehmen Hidroeléctrica Trayenko weitere drei Wasserkraftwerke in Betrieb nehmen.

Obwohl die Konzerne, wie SN Power, Verbesserungen der Lebensbedingungen versprechen, sich sogar auf ihre soziale Verantwortung berufen und angeblich mit Menschenrechtsexperten zusammenarbeiten, antworten sie auf den Widerstand der Anwohner, größtenteils Mapuche, mit Einschüchterungsaktionen und Bestechungsversuchen. So heißt es auf der Homepage von SN Power: „Das Konzept der sozialen Verantwortung ist tief verankert in der Philosophie des Unternehmens SN Power. Als langfristiger Investor im Wasserkraftsektor sind wir verpflichtet eine effiziente Anlage zu entwickeln, die auch einen nachhaltige wirtschaftlichen, sozialen und umweltfreundlichen Beitrag der Gesellschaft bringt, in der wir agieren. Wir arbeiten eng mit Umwelt- Menschenrechts- und Entwicklungsexperten zusammen."

Die Mapuche erinnern sich gut an das “Ralco“ Staudamm Projekt. Damals gingen erschreckende Bilder durch die Nachrichten. Verzweifelte Mapuche, die ihr von Endesa ergaunertes Land nicht für den Bau freigeben wollten und Carabiñeros, die mit Waffengewalt eine Hetzjagd lostraten. Nach langer Zeit des Widerstandes gaben auch die letzten indigenen Familien auf, müde des ständigen Drucks und der Angst um ihre Familie geworden, und stimmten dem Projekt zu. 700 Menschen waren von der Umsiedlung betroffen und etwa 450 von ihnen waren Pehuenche Mapuche, die mit der Flutung ihres angestammten Landes nicht nur einen Teil ihrer Kultur und Tradition verloren, sondern auch einen Teil ihrer Geschichte mit untergehen sehen mussten. Rituelle Plätze, an denen sie ihre Traditionen lebten und Friedhöfe auf denen ihre Ahnen begraben liegen, wurden vom Wasser bedeckt.

Der Film „Apaga y vamonos“ beleuchtet die Situation der Pehuenche Mapuche, die damals umgesiedelt wurden und hinterfragt die Versprechungen, die damals seitens der Endesa España gegenüber den Mapuche Familien gemacht wurden. Der Betrug, den dieses Unternehmen im Einvernehmen mit der chilenischen Regierung an den Indigenen begangen hat und der entrüstete Widerstand der Mapuche, nachdem sie realisiert haben, dass sie belogen und um ihr Land betrogen wurden, ist erschreckend.

Aus diesen schrecklichen Erfahrungen haben viele gelernt und widersetzen sich gegen die geplanten Staudammprojekte.

So sagte Maria Eugenia Calfuñanco, werken der Gemeinden Carririñe und Vertreterin der indigenen Gemeinde Lof Liquiñe bei einem Interview folgendes: „Es existieren bereits unbestreitbare Beweise, wie z.B. Ralco, so dass die ganze Welt weiß, dass es falsche Versprechen sind, um uns zu betrügen. Ich weiß, dass sie mit uns das gleiche machen wollen. Sie wollen alle Möglichkeiten, sogar die radikalen ausschöpfen, damit sie ihr Projekt zusammen mit der Regierung vorantreiben können. Aber der Reichtum dieser Region gehört uns, durch das Recht unserer Ahnen. Wir Mapuche leben hier seit über fünftausend Jahren. Das kann man nicht mit den gerade mal 200 Jahren vergleichen, die der chilenische Staat feiern will.“