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Mapuche führen Regie – Filmprojekt zur Stärkung indigener Rechte
Mittwoch, 12. Mai 2010
Quelle: http://womblog.de/

Von Daniela Estrada, Santiago de Chile –IPS |- "Ich möchte die letzten natürlichen Ressourcen filmen, die uns geblieben sind, und das Un- recht zeigen, das man unseren Gemeinschaften angetan hat", sagte der chilenische Ureinwohner Claura Anchio. Gemeinsam mit anderen jungen Mapuche nimmt er an einem kostenfreien Kurs teil, um die Grundlagen des Filmhandwerks zu lernen.

Der 27-Jährige empört sich über mehrere Mülldeponien und Kläranlagen, die in der Nähe der Mapuche-Territorien im Süden Chiles errichtet wurden. Die Angehörigen der Ethnie haben deswegen bereits den UN-Aussschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung (CERD) angerufen und der Regierung des südamerikanischen Landes "Umweltrassismus" vorgeworfen.

Das Filmprojekt, an dem insgesamt 20 Ureinwohner teilnehmen, wird von dem nichtstaatlichen Bürgerobservatorium und der in der Mapuche-Sprache erscheinenden Zeitung ‘Azkintuwe’ organisiert. Sponsoren sind die kanadische Botschaft und zwei Universitäten in der südchilenischen Region Araukanien.

Die Initiative verfolgt das Ziel, den Mapuche das nötige Grundwissen zu vermitteln, damit sie über das Leben in ihren Gemeinschaften berichten und sich mitteilen könnten, sagte der Azkintuwe-Journalist Pedro Cayuqueo.

Ureinwohner von ihren traditionellen Territorien vertrieben.

Die Mapuche sind mit über einer Million Mitgliedern die größte der neun rechtlich anerkannten Ethnien in Chile, wo insgesamt 17 Millionen Menschen leben. Ende des 19. Jahrhunderts besaßen sie ausgedehnte Territorien in den Regionen Bío-Bío, Araukanien, Los Ríos und Los Lagos, wurden in der darauffolgenden Zeit jedoch systematisch zurückgedrängt und ihre Kultur unterdrückt.

Die Mapuche rebellierten erst Ende der 1990er Jahre und erhoben Ansprüche auf die Territorien ihrer Vorväter. Sie besetzten Land, das sich inzwischen in der Hand privater Holzunternehmen befindet, und protestierten gegen die Aktivitäten von Holz- und Minenunternehmen.

Auch die umweltschädlichen Müllkippen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wollen die Ureinwohner nicht länger in Kauf nehmen.

Sie werfen der Regierung vor, mit der Vergabe von Genehmigungen für die Deponien gegen Grundsätze der Internationalen Arbeitsorganisation ILO verstoßen zu haben. In der Ureinwohner-konvention 169 ist festgelegt, dass Angehörige indigener Völker vorab über alle Maßnahmen, die ihr Land betreffen, informiert werden müssen.

Das Film-Seminar für die 20 Mapuche ist der Auftakt zu einer Kursreihe. Die Nachfrage ist hoch: Mehr als 50 Mapuche haben sich für eine Teilnahme an den Workshops beworben. Für einige Teilnehmer soll eine Reise nach Kanada organisiert werden. Dort können sie von den Erfahrungen lernen, die kanadische Ureinwohner mit neuen Kommunikationsstrategien gesammelt haben.

Die Mapuche werden in den Kursen auch mit dem Internet und sozialen Netzwerken vertraut gemacht. Darüber hinaus lernen sie, Drehbücher zu schreiben, mit Film- und Videotechnik umzugehen und ihre Beiträge am Computer zu schneiden.

In Chile gebe es durchaus Meinungsfreiheit, erklärte Cayuqueo. Solange aber nur eine Seite in den Genuss dieser Freiheiten komme, werde das Recht auf Informationsvielfalt verletzt. Bisher hätten die Ureinwohner nur wenige Mittel, um ein realistisches Bild ihres eigenen Alltags zu vermitteln. Von dem Kurs würden nicht nur die Mapuche, sondern die gesamte Gesellschaft profitieren.

Links:
http://www2.ohchr.org/english/bodies/cerd/
http://www.azkintuwe.org/
http://www.observatorio.cl/
http://www.ipsenespanol.net/nota.asp?idnews=95342